Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Kultur, Bildung, Wissenschaft und Forschung

24.01.2018 - Artikel

Stand: Januar 2018

Kultur und Bildung

Der kulturelle Austausch Deutschlands und Israels spiegelt die Vielfalt des kulturellen Lebens in beiden Ländern wider. Die Zahl der nach Israel reisenden deutschen Kulturschaffenden nimmt stetig zu. Und umgekehrt zieht es zunehmend viele junge Israelis nach Berlin.

Sichtbarer Ausdruck der dynamischen deutsch-israelischen Kulturbeziehungen waren die Feierlichkeiten und zahlreichen Projekte rund um das 50-jährige Jubiläum der diplomatischen Beziehungen beider Länder. Dieses Jubiläum wurde über das ganze Jahr hinweg mit einer Vielzahl von Veranstaltungen im Bereich Kunst und Kultur, aber auch der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in Deutschland und Israel gewürdigt.

Die wesentlichen Akteure der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik in Israel sind:

  • das Goethe-Institut Israel mit seinen Niederlassungen in Tel Aviv und Jerusalem,
  • das DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst)- Informationszentrum in Tel Aviv und die DAAD -Dozenten und -Lektoren in Tel Aviv, Jerusalem, Haifa und Be`er Sheva,
  • die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen mit ihrem Fachberater für das Deutsche Sprachdiplom in Israel
  • die politischen Stiftungen (sie tragen über ihre politische Bildungsarbeit zum kulturpolitischen Dialog bei),
  • die katholische und evangelische Kirche und viele kirchlich getragene Institutionen,
  • die Bundesländer, Landkreise und Kommunen (besonders die rund 100 Städtepartnerschaften)
  • und die zahlreichen privaten Stiftungen (darunter Bertelsmann, Bosch, Bucerius, Springer, Thyssen und Volkswagen).

Seit 2007 fördert die Stiftung „Deutsch-Israelisches Zukunftsforum“ (DIZF) innovative zukunftsorientierte Projekte zur Vertiefung der bilateralen Beziehungen, insbesondere zur Einbindung und Vernetzung von jüngeren Menschen aus beiden Ländern. Im Oktober 2017 wird erstmals der Shimon-Peres-Preis vom Auswärtigen Amt in Kooperation mit dem DIZF verliehen. Diese Auszeichnung wird im Andenken an den ehemaligen israelischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträger Shimon Peres und in Verantwortung für die besondere Freundschaft zwischen Deutschland und Israel jährlich vergeben. Ausgewählt werden deutsche und israelische Fach- und Führungskräfte, die sich im besonderen Maße um die Ausgestaltung der deutsch-israelischen Beziehungen verdient gemacht haben.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) beteiligt sich seit 1960 am bilateralen wissenschaftlichen Austausch und fördert pro Jahr Studien- und Forschungsaufenthalte einer immer weiter ansteigenden Zahl von Israelis in Deutschland. Seit Beginn des Studienjahres 2007/08 unterhält der DAAD an der Hebräischen Universität in Jerusalem und an der Universität Haifa Zentren für Europa- und Deutschlandstudien. Im März 2014 hat an der Universität Tel Aviv ein weiteres DAAD-Lektorat mit Informationszentrum seine Arbeit aufgenommen, das sich intensiv um die Werbung für den Studienstandort Deutschland kümmert. Darüber hinaus fördert der DAAD drei Langzeitdozenturen an den Universitäten von Tel Aviv, Be'er Sheva und Jerusalem. Von 1711 israelischen Studenten („Wissenschaft weltoffen 2015“), die 2015 in Deutschland studiert haben, wurden 298 mit einem DAAD-Stipendium gefördert. Umgekehrt kamen 438 deutsche Studierende, Graduierte, Wissenschaftler und Hochschullehrer zu Studium und Forschung nach Israel. Jeder zehnte israelische Student, der ein Auslandsstudium absolviert, studiert inzwischen in Deutschland.

Nach dem Ergebnis des von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) im Januar 2012 im Goethe-Institut Israel (Tel Aviv) durchgeführten Symposiums „Deutsch in Israel“ sind die historisch begründeten Vorbehalte gegenüber der deutschen Sprache im Alltag nur noch selten wahrnehmbar. Die vom Goethe-Institut Israel angebotenen Deutschkurse werden stets sehr stark nachgefragt.

Im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) des Auswärtigen Amts wird derzeit an sechs israelischen Schulen Deutsch als Fremdsprache als reguläres Unterrichtsfach unterrichtet. Seit dem Frühsommer 2014 werden zudem regelmäßig Prüfungen für das Deutsche Sprachdiplom abgelegt.

Weitere ausgewählte Schwerpunkte der Kultur- und Bildungsarbeit sind:

  • Erinnerungsarbeit sowie insbesondere die Zusammenarbeit mit Yad Vashem (siehe unten),
  • die Identifizierung und Durchführung von Kulturerhaltmaßnahmen
  • die Förderung des Studien- und Wissenschaftsstandorts Deutschland durch Hochschulmarketing, der Aufbau von Netzwerken zur Nachbetreuung ehemaliger israelischer Studenten, Stipendiaten und Künstler nach Abschluss ihrer Projekte sowie der Nachkommen älterer Einwanderergenerationen und Neu-Einwanderer aus Deutschland,
  • die Zusammenarbeit einer Vielzahl von Universitäten und Instituten im natur- und geisteswissenschaftlichen Bereich.

Ferner entstand über die vergangenen Jahrzehnte ein dichtes Netzwerk von Kooperationsvereinbarungen zwischen Hochschulen beider Länder über gemeinsame Forschungsprojekte und den Austausch von Wissenschaftlern. Allein die Alexander von Humboldt-Stiftung vergab bisher über 200 Forschungsstipendien und Preise an israelische Forscher.

Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem

Yad Vashem, die zentrale israelische Gedenkstätte für die während der Shoah ermordeten mehr als sechs Millionen Juden, befindet sich auf dem Berg der Erinnerung in Jerusalem. „Yad Vashem“ bedeutet wörtlich übersetzt „ein Denkmal und ein Name“ und stammt aus dem Buch Jesaja 56:5: „Und denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben (Yad Vashem).“ Yad Vashem wurde aufgrund eines am 18. Mai 1953 von der Knesset verabschiedeten Gesetzes gegründet und 1957 errichtet. Seine Aufgaben umfassen Gedenken, Dokumentation, Forschung, Veröffentlichung und Erziehung.

Seit 1996 kooperieren Yad Vashem und Deutschland in den Bereichen Forschung, Bekämpfung des Antisemitismus und Fortbildung. Ein deutscher Freundeskreis unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Jürgen Rüttgers, ehemaliger Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie und ehemaliger Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, arbeitet auf vielfältige Weise mit der Gedenkstätte zusammen.

Am 15. März 2005 wurde in Anwesenheit des Bundesaußenministers das Neue Museum nach den Entwürfen Moshe Safdies eingeweiht. Das Gesetz aus dem Jahre 1957 schreibt darüber hinaus vor, dass Yad Vashem die Gerechten unter den Völkern ehren wird. Gemeint sind nicht-jüdische Personen, die sich während der Shoa in Lebensgefahr begeben haben, um Juden zu retten. Derzeit werden in Yad Vashem unter den 26.513 Gerechten 601 Deutsche geehrt.

Am 1. Februar 2012 unterzeichneten der damalige Bundesaußenminister Guido Westerwelle und der israelische Erziehungsminister Gideon Sa´ar das deutsch-israelische Regierungsabkommen zur Förderung von Yad Vashem. Deutschland unterstützt damit langfristig die Sicherung der Dokumentation jüdischen Lebens vor allem in Osteuropa und fördert die Fortbildung von Pädagogen zum Thema Holocaust-Erinnerung. Das Programm läuft von 2012 bis 2021 und hat ein Volumen von insgesamt 10 Millionen Euro.

Wissenschaft und Forschung

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel in Wissenschaft und Forschung sind intensiv, umfangreich und von Vertrauen und langjährigen, persönlichen Freundschaften geprägt.

Derzeit kooperieren 206 deutsche und israelische Hochschulen über alle wissenschaftlichen Disziplinen hinweg (Quelle: Hochschulkompass 9/2017). Diese enge Zusammenarbeit wurde 1959, noch vor der offiziellen Aufnahme der diplomatischen Beziehungen, durch die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und das Weizmann-Institut in Rehovot begründet. 1965 wurde die Minerva-Stiftung ins Leben gerufen, eine Tochtergesellschaft der MPG, die mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) heute rund 80 Einzelprojekte am Weizmann-Institut und 23 Minerva-Forschungszentren an den israelischen Universitäten (sowie am Weizmann-Institut) fördert.

Eine Säule der Forschungszusammenarbeit bildet die seit 1973 bestehende interministerielle Kooperation zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem israelischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MOST). Im Mittelpunkt steht hier die langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit in der Krebsforschung. Auch auf dem Gebiet der Personalisierten Medizin wird zusammen geforscht. Zu den bestehenden deutsch-israelischen Kooperationen in der Batterieforschung und in den Geowissenschaften kommen nun auch solche im Bereich der Wassertechnologie hinzu.

Anwendungsorientierte Forschung etwa in der angewandten Nanotechnologie fördert das BMBF gemeinsam mit der Israel Innovation Authority. Grundlage hierfür ist das Regierungsabkommen zur Zusammenarbeit in industriegeführter Forschung und Entwicklung sowie im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung aus dem Jahr 2011. Hier ist geplant, Erfahrungen und Wissen in der Berufsausbildung über das gemeinsame Projekt „Digital Educational Technology - EdTech“ auszutauschen.

Bilaterale Forschungsprojekte in allen wissenschaftlichen Disziplinen fördert die 1986 gegründete Deutsch-Israelische Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung (GIF) mit jeweils bis zu 200.000 Euro aus den Erträgen ihres Stiftungskapitals.

Weitere finanziell großzügig ausgestattete Projekte in Zusammenarbeit mit israelischen Universitäten fördert das BMBF seit 1998 im Rahmen des Programms „Deutsch-Israelische Projektkooperation (DIP)“. Für die Durchführung stellt das BMBF der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) jährlich 5,56 Millionen Euro zur Verfügung. Die DFG fördert die Zusammenarbeit mit Israel bereits seit Anfang der 1970er Jahre.

In den Geisteswissenschaften ist das herausragende Projekt der bilateralen Zusammenarbeit der Stiftungsfond der Martin-Buber-Gesellschaft, der den interdisziplinären und interkulturellen Dialog junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und Israel unterstützt. Derzeit forschen 38 Stipendiaten des Stiftungsfonds an der Hebräischen Universität Jerusalem (vgl. auch http://buberfellows.huji.ac.il ). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat für diese Stiftung bürgerlichen Rechts 20 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.

Eng arbeiten israelische und deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch auf europäischer Ebene zusammen. So wurde Israel 2013 Vollmitglied bei CERN, der europäischen Organisation für Kernforschung. Gemeinsam geforscht wird insbesondere im Rahmen des EU-Forschungsrahmenprogramm HORIZON 2020, das multilaterale Wissenschaftsbeziehungen in Europa fördert.

Einen Überblick über die wissenschaftliche Zusammenarbeit finden Sie hier:

http://www.cogeril.de

www.tel-aviv.diplo.de

Weitere Informationen

nach oben